> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 24. November 2009
 

„Müssen hinschauen und wachsam sein“

SPD-Landtagsabgeordneter Norbert Zeller diskutiert mit Schülern über den Amoklauf von Winnenden

Wie es zum Amoklauf von Winnenden kam und wie man Amokläufen vorbeugen kann: Darüber haben Schüler der Überlinger Justus-von-Liebig-Schule und der Jörg-Zürn-Gewerbeschule gestern mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Norbert Zeller diskutiert.

Überlingen - Sollen so genannte Killerspiele verboten werden? Soll das Waffenschutzgesetz verschärft werden? Ist der schulische Leistungsdruck zu hoch? Oder müssen sich Eltern einfach wieder mehr um ihre Kinder kümmern? Die Themen, die die Schüler der Justus-von-Liebig-Schule und der Jörg-Zürn-Gewerbeschule zu der Frage, wie es zu einem Amoklauf kommen kann, diskutieren, sind vielfältig. Die zentrale Aussage des SPD-Landtagsabgeordneten Norbert Zeller lautet: „Wir müssen hinschauen. Wir müssen wachsam sein, was um uns herum passiert. Denn potentielle Amokläufer sind oft auffallend unauffällig.“

Meistens, sagte Zeller, handle es sich um zurückhaltende junge Männer, die oft die Kleidungsfarbe schwarz bevorzugen und eine gewisse Vorliebe für Waffen haben. Als Zeller die Kleiderfarbe anspricht, geht leises Gelächter durch die Reihen der Schüler, unter denen manch einer schwarz angezogen ist. Und Zeller erklärt dann auch gleich schmunzelnd: „Natürlich sind die allerwenigsten schwarz gekleideten jungen Menschen potentielle Amokläufer.“ Dennoch, meinte Zeller, gebe es zwischen vielen Amokläufern eben oft jene Parallelen. Und die allermeisten hätten ihre Tat zuvor angekündigt. Genau hier müsse angesetzt werden. Solche Ankündigungen dürften nicht auf die leichte Schulter genommen werden. „Man muss sich damit auseinandersetzen, hinschauen, beobachten.“

Und wie ist das mit den Killerspielen? Können die wirklich „schuld“ an einem Amoklauf sein? So einfach ist das natürlich nicht, das sagt auch Zeller. „Es ist wie mit den schwarzen Klamotten und der Vorliebe zu Waffen. Die wenigsten, die Killerspiele spielen, sind potentielle Amokläufer. Aber es ist eine Tatsache, dass die meisten Amokläufer genau diese Spiele gespielt und damit gewissermaßen für ihre Tat geübt haben.“ Gehören Killerspiele also verboten? Er würde ein Verbot 

Norbert Zeller (stehend links). Kurt Boch (Mitte) und Adrian Wiemer im Gespräch mit Schülern.
Bild: Bast

unterstützen, sagt Zeller. Aber auch das, und darauf macht ein Schüler aufmerksam, ist nicht so einfach: „Ich sehe es nicht als sinnvoll an, Killerspiele zu verbieten. Dann werden die eben illegal besorgt.“ Wichtiger sei es, findet der Schüler, dass die Eltern ihren Kindern immer mal wieder über die Schulter schauen und sie im Auge behalten. Mit Verboten, findet der Schüler, erreiche man nur, dass manche sich dann zum Trotz die richtig harten Spiele heimlich besorgen.

Die Rolle der Eltern ist übrigens auch etwas, das die Schüler stark thematisieren: „Die Eltern müssten wieder mehr Bereitschaft haben, sich mit ihren Kindern auseinanderzusetzen und ihre Kinder nicht vor dem PC absetzen, damit sie ihre Ruhe haben“, meint ein Schüler. Und: „Was ist denn, wenn Killerspiele verboten werden und dann geht wieder einer los und läuft Amok? Diese Diskussion um Verbote oder nicht ist doch nur ein Hin- und Hergeschiebe.“ Mit dieser Ansicht scheint er vielen Schülern aus dem Herzen gesprochen zu haben – zumindest bekommt er spontanen Applaus.

Der Schülersprecher der Schülermitverantwortung (SMV), Adrian Wiemer, der die Veranstaltung gemeinsam mit dem Schulleiter der Jörg-Zürn-Gewerbeschule Kurt Boch moderiert, macht auf einen weiteren Punkt aufmerksam: den Leistungsdruck. „Die Schüler sind unter Druck und auch die soziale Ausgrenzung ist allgegenwärtig. Ich glaube eher, dass hier das Problem zu suchen ist. Gesetzte verschärfen bringt nichts, wir müssen die tiefliegenden gesellschaftlichen Probleme ergründen.“

 
 
 

Eva-Maria Bast, Südkurier Überlingen, 24.11.09  

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