> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 14. Juni 2011
 

Der Wirtschaft gehen die Fachkräfte aus 

Unternehmen aus der Stadt Konstanz leiden schon jetzt unter dem Fachkräftemangel. Das ist das Ergebnis einer Studie, die Stadt, Wirtschaft und Hochschulen gemeinsam durchgeführt haben. Beobachten kann man das auch bei dem Biotechunternehmen GATC.

    Fachkräftemangel bremst Unternehmenswachstum: Bei der Firma GATC Biotech in Stromeyersdorf können derzeit viele Stellen nicht besetzt werden. Es mangelt an qualifizierten Bewerbern, die sich wie hier im Bild, um die Sequenzierung von DNA kümmern. Bilder: GATC(1)/Hanser (3)

Fachkräftemangel bremst Unternehmenswachstum: Bei der Firma GATC Biotech in Stromeyersdorf können derzeit viele Stellen nicht besetzt werden. Es mangelt an qualifizierten Bewerbern, die sich wie hier im Bild, um die Sequenzierung von DNA kümmern. Bilder: GATC(1)/Hanser (3) Bild: Bilder: GATC(1)/Hanser (3)
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Konstanz – Das Konstanzer Biotechunternehmen GATC steht vor einem Problem. Eigentlich würde die Vorzeigefirma gerne weiter wachsen – und neue Mitarbeiter einstellen. Doch genau daran hapert es gerade. Das große Wort vom Fachkräftemangel ist inzwischen auch bei der Firma im Stadtteil Stromeyersdorf angekommen. „Die Zahl der Bewerbungen geht grundsätzlich zurück und wir merken, dass es immer schwieriger wird, qualifiziertes Personal zu finden“, sagt Elke Decker von GATC. Betroffen seien davon alle Bereiche. Es fehlen Molekularbiologen, biologisch-technische Assistenten ebenso wie IT-Experten. „Es reicht nicht mehr aus, eine Stellenanzeige zu schalten, wir müssen sämtliche Kommunikationskanäle nutzen, um auf uns aufmerksam zu machen“, so Decker. Aktuell sind etliche Stellen bei GATC unbesetzt.
So wie der aufstrebenden Biotechfirma geht es derzeit vielen Unternehmen in Konstanz. Wohl auch deshalb haben sich Stadt, Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer und die beiden Konstanzer Hochschulen zusammen getan, um die Situation grundlegend zu analysieren. In einer Studie namens „Fachkräftemonitoring“ wurden jetzt erstmals die Firmen in Konstanz nach ihren Erfahrungen mit dem Thema Fachkräftemangel befragt. 139 Unternehmen haben sich beteiligt und die Ergebnisse zeigen, dass der Fachkräftemangel die Region längst erreicht hat. Rund ein Drittel der befragten Unternehmen sagte, dass sie bereits jetzt von dem Thema betroffen sind. Für die Zukunft sehen die meisten noch dunklere Wolken aufziehen: 57 Prozent der befragten Firmen gaben an, dass sie innerhalb der nächsten fünf Jahre vom Fachkräftemangel betroffen sein werden.
Für Topkräfte nur bedingt attraktiv
Nach der aktuellen Erhebung sind besonders die Branchen „Information und Kommunikation“, „Gastgewerbe“ und „Gesundheit und Sozialwesen“ von dem Phänomen betroffen. Die Unternehmer selbst sehen Hauptgründe in der aktuellen Misere in dem geringen Angebot an Fachkräften auf dem Markt und dem Auseinanderdriften von Job- und Bewerberprofil. Zudem erschwere der Standort Konstanz gelegentlich die Anwerbung von Topkräften. Immerhin 37 Prozent der Befragten gaben an, dass Fachkräfte nicht zu einem Ortswechsel nach Konstanz bereit sind. Das alles führt unter anderem dazu, dass 77 Prozent der Unternehmen in Konstanz, die derzeit Personal suchen, ihre offenen Stellen nicht besetzen können. Um das zu ändern wollen Stadt, die Kammern und die Hochschulen nun noch enger zusammenarbeiten.
Mehr Weiterbildungen, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, mehr Frauen gewinnen und auch die älteren Arbeitnehmer als Potenzial erkennen sind einige Stichworte, die der IHK-Hauptgeschäftsführer Claudius Marx als Wege aus der Misere bei einer Podiumsdiskussion zum Thema jüngst aufzeigte. Auch für Georg Hiltner, Chef der hiesigen Handwerkskammer, ist der Fachkräftemangel eine der großen Herausforderungen der Zukunft. Bereits jetzt seien die Auswirkungen im Handwerk deutlich zu spüren, so Hiltner. Er will künftig stärker die Karrierechancen in Handwerksberufen aufzeigen, um für den Nachwuchs attraktiv zu bleiben.
Auch hierzu liefert die neue Studie Ergebnisse: Demnach haben 47 Prozent der befragten Unternehmen geringe bis große Probleme Auszubildende zu finden. Für Peter Stockburger ist die Suche nach neuen Azubis vielleicht noch das geringste Problem. Er ist Personalleiter bei Siemens in Konstanz und profitiert bei der Rekrutierung von neuen Mitarbeitern noch immer von dem guten Ruf des Traditionsunternehmens. „Natürlich hilft uns das im Wettbewerb um Köpfe. Aber auch wir merken, dass der Kampf um Absolventen härter wird“, sagt Stockburger. Noch vor zwei Jahren sei es wesentlich einfacher gewesen, Stellen neu zu besetzen. Seither setzt man bei Siemens neben der Ausbildung auch verstärkt auf Fortbildung von Mitarbeitern. Wenn der Markt die Fachkräfte nicht hergebe, dann mache man eben die eigenen Leute zu Experten.

Südkurier Überlingen, 14.06.11