> Pressespiegel > Bericht: 11. Dez. 1998
 

Mit bunten Luftballons für die Menschenrechte

Überlingen (hk) Aus einer "inneren und äußeren Verpflichtung" heraus, wie es Bruno Lick formulierte, beteiligte sich gestern die Jörg-Zürn-Gewerbeschule als UNESCO-Projektschule an den weltweiten Veranstaltungen anläßlich des Tages der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Der Tag der Erklärung jährte sich gestern zum 50. Mal. Der Höhepunkt der Aktion: Die Schülerinnen und Schüler ließen bunte Luftballons aufsteigen. Die Schülermitverwaltung unterstützt mit der Aktion finanziell ein Waisenhaus in Honduras.
Am 12. Dezember 1948 waren im Palais de Chaillot in Paris die Erklärungen von 48 der 58 UN-Mitgliedsstaaten unterzeichnet worden. Noch heute, das wurde anhand mehreren Schautafeln in der Gewerbeschule verdeutlicht, werden auf der Welt fast alle der seinerzeit proklamierten 30 Artikeln verletzt.

Die gestrigen Aktionen waren von Schülern und Lehrern der Jörg-Zürn-Gewerbeschule von langer Hand vorbereitet worden, wie Bruno Lick erklärte. Er organisierte den Aktionstag. Die Aktionen standen in Verbindung mit den 27. April, ein für UNESCO-Schulen weltweiter Projekttag im Zeichen der Menschenrechte. So hatten verschiedene Klassen die Artikel der Menschenrecht-Charta im Unterricht erarbeitet; die Ergebnisse dieser Arbeit waren in eine im Foyer der Schule gezeigten Ausstellung eingeflossen.

Sowohl Filme als auch mehrere Stellwände informieren zum Thema der Menschenrechte. Veranschaulicht wurde beispielsweise, daß gegenwärtig 120 Millionen Kindern weltweit die Schulbildung verwehrt wird, zahlreiche Menschen gezwungen sind, mittels Flucht Gewalt und Verfolgung zu entgehen; in Saudi-Arabien täglich Menschenrechte per unfairer Gerichtsverfahren mit Folter und Mißhandlung gebrochen werden. Alle 30 Artikel der Menschenrecht-Charta waren anhand von Bildern und Fotografien verdeutlicht worden; so etwa das Recht auf Privatleben (Artikel zwölf) anhand des amerikanischen Präsidenten Bill Clinton oder das Recht auf Erholung und Freizeit (Artikel 24) mittels einer nach Urlaub schreienden Südseeinsel. Gezeigt wurde aber auch, daß die Mißachtungen der Menschenwürde kein Privileg der Dritten-Welt-Länder darstellen, sondern "uns alle angeht".

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand allerdings eine Aktion im Außengelände: Pünktlich um zwölf Uhr starteten Schüler und Lehrer mehrere Luftballons, mit denen auf einem Zettel geschriebene Menschenrechtsbotschaften – und auf deren Rückseite – natürlich – individuelle Grüße verschickt wurden. Diese Aktion fand weltweit an vielen Plätzen zur gleichen Zeit statt. Zuvor war mit einem kurzen Schauspiel einer neu gegründeten Theatergruppe in Kooperation mit der Constantin-Vanotti-Schule auf die Verletzung der Menschenrechte aufmerksam gemacht worden. Die Gruppe unter Leitung von Rita Weiß hatte sich spontan bereit erklärt, am gestrigen Tag mitzuwirken. Zugunsten eines Waisenhauses in Honduras bot die Schülermitverwaltung (SMV) Kaffe und Kuchen an uns machte in dem Zusammenhang unter anderem deutlich, daß bereits mit 50 Mark die tägliche Ernährung von in dem mittelamerikanischen Land in Not lebenden 20 Kindern gesichert werden könne. Außerdem verkauften die Schüler Produkte aus dem Weltladen. Das von der SMV erwirtschaftetes Geld kommt somit wiederum notbedürftigen Menschen zugute: Bereits in der Vergangenheit ging der Erlös bei ähnlichen Veranstaltungen der SMV (Beispiel "Weihnachtskaffee") stets an soziale Einrichtungen, womit diese Aktionen schon als traditionell zu bezeichnen seien, wie Lick unterstrich.


Quelle: Südkurier, 11. Dezember 1998, Lokalteil Überlingen, Holger Kleinstück

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