> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 29.Juli 2000
 

Friseurhandwerk ist zu einem typischen Frauenberuf geworden

Gesellenprüfung an der Jörg-Zürn-Gewerbeschule abgelegt -
Hochmodische Frisuren angefertigt - Nicht nur Schneiden und Legen

Überlingen (ub)  Zwei recht stressige Tage liegen hinter den acht jungen Damen aus dem Altkreis Überlingen, die mit der praktischen Gesellenprüfung die letzten Hürde ins Friseurhandwerk genommen haben. Nicht nur Schneiden und Legen der Haarpracht standen nämlich auf dem Prüfungsplan, sondern auch diverse kosmetische Aufgaben. Erstmals konnten die Prüfungen im neuen Werkstattraum für Friseuse in der Jörg-Zürn-Gewerbeschule abgenommen werden. 

Seit vielen Jahren mussten die praktischen Prüfungen in einen Markdorfer Friseurladen verlegt werden, da an der Jörg- Zürn Gewerbeschule kein geeigneter Werkstattraum zur Verfügung stand. Das ist seit den Umbauarbeiten, die hier vorgenommen wurden, nun anders geworden. Der neue Raum für Friseure hat genügend Arbeitsplätze, um eine Prüfung durchzuführen zu können. Mit acht Aspiranten war die diesjährige Abschlussklasse besonders schwach. Die nächsten zwei Klassen sind zwar wieder etwas stärker, dennoch meinte der Prüfungsvorsitzende, Thomas Mattes aus Fickingen, es könnte mehr ausgebildet werden. Es sei nämlich inzwischen recht schwierig geworden, Friseure zu bekommen. 

Das relativ geringe Interesse am Friseurhandwerk führt Mattes auf die Arbeitszeiten zurück. Vor allem die Samstagsarbeit sei eben nicht gerade beliebt.

Auch dafür, dass nur Damen und kein einziger Herr unter den Prüflingen zu finden war, hatte der Frickinger Friseurmeister eine Erklärung. Das Friseurhandwerk sei, erklärte er, zum typischen Frauenberuf geworden.

Das Dienstleistungsangebot der Friseure beschränkt sich heute bei weitem nicht mehr nur aufs Haare schneiden, legen oder färben. Hinzu gekommen sich auch verschiedene kosmetische Behandlungen. Und vor allem ist auch viel Kreativität gefragt. Das spiegelt sich auch in der neuen Prüfungsordnung wieder, die so umfangreich ist, das der praktische Teil gar nicht mehr an einem Tag zu leisten ist. Das die Probandinnen ausgerechnet am Sonntag und am Montag, ihren beiden freien Tagen, dazu antreten mussten, hat seinen Grund. Bisher seien, erklärte Mattes, die Prüflinge häufig mit der Ausrede gekommen, werktags würden sie niemanden finden, der Modell sitzen würde, und dann hätten sie ihre Großmutter mitgebracht. Mit der Oma aber, so brachte der Prüfungsvorsitzende Licht hinter den Trick, könne man keinen hochmodischen Haarschnitt prüfen. So hat man denn in Baden-Württemberg einheitlich den Sonntag zum Prüfungstag gemacht.

Acht junge Damen aus dem Altkreis Überlingen nahmen nach einer dreijährigen Ausbildung mit der praktischen Prüfung in der Jörg-Zürn- Gewerbeschule die letzte Hürde in das Friseurhandwerk. Ihnen schaute auch der Prüfungsvorsitzende, Thomas Mattes aus Frickingen, über die Schulter.

Bild: ub

Aus sieben Teilen setzt sich die praktische Prüfung zusammen. Bei den beiden ersten Aufgaben ist nach einer Vorlage ein Damenhaarschnitt und ein Herrenhaarschnitt mit verschiedenen Schnitttechniken zu machen. Dann gilt es einen Damenkopf mittels Dauerwelle umzuformen und eine Frisur zu gestalten. Weiter muss an einem Übungskopf eine Frisur gestaltet werden unter Berücksichtigung verschiedener Einlegetechniken, wobei auch ein Haarteil eingearbeitet werden muss. Im kosmetischen Teil muss die Haut beurteilt, ein Behandlungsplan erstellt sowie eine pflegende kosmetische Behandlung einschließlich Gesichtmassage durchgeführt werden. Danach ist ein Kunden orientiertes Beratungsgespräch zu den im Friseurhandwerk durchgeführten Dienstleistungen einschließlich der Gesichtsbehandlung zu führen. 

Schließlich kommt das sogenannte Gesellenstück noch an die Reihe. Eine komplexe Aufgabe, bei der eine Damenfrisur unter Berücksichtigung von Kopf- und Gesichtsform sowie der Haarqualität zu fertigen ist. Außerdem müssen die Haare gefärbt werden. Schließlich muss noch ein Make-up aufgetragen werden. Dieses muss einem bestimmten Anlass entsprechen. Zum Beispiel, so erläuterte Thomas Mattes, eine ausgefallene „Bemalung für einen Disco-Abend.“ Und nicht zuletzt müssen die Fingernägel stimmen, denen eine dekorative Gestaltung zu verpassen ist.

Die Gesellenprüfung für das Friseurhandwerk bestanden haben:
Hülya Ünal (Salon Müller-Hutz, Überlingen);
Yasmin Haferkorn (Salon Bosch, Immenstaad);
Simone Jäger (Salon Gassenbauer, Meersburg);
Nelli Michel (Salon Böhmer & Weber, Überlingen);
Sandra Raff (Salon Wilbert, Überlingen);
Martina Tessari (Salon Zipfel, Deggenhausertal);
Leila Ureutz (Salon Klier, Überlingen)
 
 
 

Südkurier, 29.07.2000

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