> Pressespiegel > Bericht: 27. Jan. 2000
 

Schülerboom an Beruflichen Gymnasien

Manche müssen auch abgewiesen werden - 
SPD-Landtagsabgeordneter Zeller an Schulen

Überlingen (hpw) Ein Mammutprogramm bewältigte gestern der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Norbert Zeller, um sich an Schulen die Sorgen und Nöte vor Ort anzuhören. Nach einem zweistündigen Gespräch mit den Leitern der beruflichen Schulen - Kurt Boch (Jörg-Zürn-Gewerbeschule), Gerhard Krimmer (Constantin-Vanotti-Schule) und Susanne Abt (Justus-von-Liebig-Schule) - stattete Zeller in Begleitung von OB Klaus Patzel, Kreisrat Reinhard Ebersbach und Stadtrat Oswald Burger auch den Grundschulen in Hödingen und am Burgberg einen Besuch ab. Vor allem die hohen Schülerzahlen machen den Beruflichen Gymnasien zu schaffen.

Was er an Wünschen bei den beruflichen Schulen mitnahm, waren vor allem der Bedarf weiterer Klassen am Wirtschaftsgymnasium und am Technischen Gymnasium (Zeller: "Ich werde meine Fühler hier ausstrecken") sowie die dringende Notwendigkeit einer Sporthalle. Doch Zeller erfuhr auch einiges über neue Initiativen an den Überlinger Schulen.

Die aktuelle Unterrichtsversorgung war ein Thema im Gespräch mit den vom Landkreis getragenen Berufsschulen, an dem auch der Leiter des Schulverwaltungsamtes, Werner Klose, teilnahm. "Noch gut versorgt" fühlt sich Kurt Boch von der Jörg-Zürn-Gewerbeschule, zur Zeit insgesamt 710 Schüler: "Wir haben alles abgedeckt - außer einer Stunde Religion". Einen Puffer für Krankheitsfälle gebe es allerdings nicht. "Wir summieren die Vertretungsstunden auf", erklärte Boch, "und verrechnen das mit dem Deputat im nächsten Jahr".

,,Eher unbefriedigend" ist die Situation für Gerhard Krimmer an der Constantin-Vanotti-Schule (780 Schüler), wo derzeit rund 80 Überstunden geleistet wurden. Eine Vergütung dieser Mehrarbeit mit 30 Mark pro Überstunde ist aus seiner Sicht eine "Unverschämtheit". Daher führt auch er ein Zeitkonto für seine Lehrer und kompensiert Ausfälle über "wunderbare flexible Teilzeitdeputate".

Weniger Sorgen als das älter werdende Kollegium ("Das pädagogische Alter ist unabhängig vom Lebensalter") machen Krimmer die Schülerzahlen. Dass der Klassenteiler in den Vollzeitbereichen des Wirtschaftsgymnasiums und des Berufskollegs überschritten sei, erschwere die Arbeit der Kollegen. Krimmer: ,,Doch die jungen Leute sind motiviert und verhalten sich vorbildlich". Zufrieden ist der Schulleiter, dass die ,,Ausbildungsfreude" in kaufmännischen Berufen wieder zunimmt. Allerdings sei die Berufsschulzeit auf zweimal fünf Stunden reduziert worden. Als neues zukunftsweisendes Projekt nannte Gerhard Krimmer eine zusätzliche Europa-Qualifikation mit einem Schwerpunkt auf internationalem Management. Dies sei zwar noch nicht genehmigt, erklärte Krimmer: "Doch das machen wir ohne zu fragen". Doch Sorgen, dass eine obere Behörde so eine Initiative verhindern wolle, hatte auch Norbert Zeller nicht, zumal diese Inhalte im Trend lägen und sehr wichtig seien: "Ich glaube, Sie können beruhigt schlafen". Für das Wirtschaftsgymnasium mussten 25 Bewerber abgewiesen werden am Technischen Gymnasium der Jörg-Zürn-Gewerbeschule kamen ebenfalls 20 Interessenten nicht zum Zuge. ,,Deshalb ist unter den Eltern das Gerücht kursiert, die Anforderungen seien angehoben worden", sagte Kurt Boch, doch dem sei keineswegs so.

Gestern im Gespräch mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Norbert Zeller anlässlich seines Besuches von Schulen in Überlingen. Von links: Stadtrat Oswald Burger, Kreisrat Reinhard Ebersbach, Norbert Zeller, Gerhard Krimmer, Leiter der Constantin-Vanotti-Schule und Susanne Abt, Leiterin der Justus-von-Liebig-Schule.

Bild: WaIter

Auch Susanne Abt, Leiterin der Justus-von-Liebig-Schule (460 Schüler, davon 150 in Markdorf), hat einen großen Ansturm auf das vor drei Jahren begonnene Berufskolleg für Sozialpädagogik zur Ausbildung von Erzieherinnen zu verkraften, das in der Außenstelle in Markdorf angesiedelt ist. "Wir haben über 100 Anmeldungen gehabt", berichtete die Schulleiterin, "und konnten nur ein Viertel davon nehmen". Stark schwankende Zahlen registriert Abt dagegen an ihrem Ernährungswissenschaftlichen Gymnasium: "in manchen Jahren müsste man die Klasse teilen, manchmal sorgt man sich, dass eine zustande kommt".

Unterschiedlich beurteilt von den Verantwortlichen wird die Situation in den Klassen des Berufsvorbereitungsjahres. Während Oswald Burger diesen Bereich zumindest partiell als "Auffangbecken" für gesellschaftliche Probleme sah, wollte Susanne Abt diese Beurteilung nicht so ohne weiteres gelten lassen. "ich kann das nicht so stehen lassen", betonte sie. Alle 61 Schüler der letzten Klassen hätten ihre Prüfung hier bestanden, davon 55 mit Zusatzprüfung und 35 mit qualifiziertem Hauptschulabschluss. Dennoch ist auch sie froh, dass seit Januar ein Schulsozialarbeiter gemeinsam für die Jörg-Zürn- und die Justus-von-Liebig-Schule seine Arbeit aufgenommen hat.

 
 
 

HANSPETER WALTER, Südkurier Überlingen, 28.01.2000

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